Das große, bunte Alben-Rezensions-Spektakel 2013

Gepostet am Aktualisiert am

Filmrezensionen sind einfach. Ich geh ins Kino, schau mir den Film an und spätestens 48 Stunden später erscheint hier ein Eintrag (oder eben manchmal auch nicht). Ein Film ist ein Erlebnis, vergleichbar mit einem Konzert. Der erste Eindruck ist prägend. Bei Alben ist das anders. Da ist der erste Eindruck nicht mehr als ein vages Gefühl und eine Meinung kristallisiert sich erst nach und nach heraus. Und genau da liegt das Problem, wenn es darum geht, hier darüber zu schreiben. Nach 1-, 2-, 3-mal hören wäre ich nicht in der Lage mehr als eine Handvoll Stichpunkte zu schreiben, was ziemlich unsinnig ist. Während der erwähnten Kristallisierungsphase schwirren mir beim Hören oft Gedanken durch den Kopf, die in geordneter Form durchaus für einen Eintrag hier geeignet wären. Wenn ich mir dann eine halbwegs feste Meinung zu einem Album gebildet habe und etwas dazu schreiben will, sind diese Gedanken natürlich alle wieder weg und das Schreiben wird zur Qual, bevor ich es schließlich aufgebe. Was lernen wir daraus? Notizen machen. Immer und überall.

Alben 2013

Hier also in Kurzform meine Meinungen zu den von mir gehörten Alben des Jahres 2013:

David Bowie – The Next Day
Musik im Jahre 2013: Von Daft Punk über Miley Cyrus bis zu Arcade Fire waren alle darauf bedacht, einen Hype zu erzeugen und möglichst lang am Leben zu erhalten. Am sympathischsten war mir da David Bowie, der an seinem 66. Geburtstag nach 10 Jahren totaler Funkstille urplötzlich und ohne Vorwarnung eine fantastische neue Single veröffentlichte. Außer Musikvideos zu allen Singles (u.a. das großartige „Valentine’s Day„) gab es nichts, rein gar nichts, keine Interviews, keine Auftritte, nichts. Und trotzdem war die vormals totgesagte, lebende Legende Thema Nr. 1 in der Musikwelt Anfang 2013.
Das Album macht da weiter, wo er 10 Jahre vorher aufgehört hatte. Nicht spektakulär, aber wenn man so viele Alben veröffentlicht hat, die zu Recht als Klassiker gelten, wie David Bowie, ist es auch verdammt schwierig, etwas Spektakuläres zu machen. Nichtsdestotrotz ein tolles Album, das wohl nur besser sein könnte, wenn es voll mit Liedern wie der erwähnten erste Single „Where Are We Now?“ wäre.

Depeche Mode – Delta Machine
2005 & 2009 < 2013 < 2001 < 1990 & 1997

Pet Shop Boys – Electric
Nach der lauwarmen Enttäuschung letztes Jahr nun also 10 Monate später die Reaktion darauf. „Electric“ ist all das, was „Elysium“ nicht war: auf die Fresse, laut, tanzbar, etc. Das ist zwar besser (nicht grundsätzlich), aber immer noch unter dem Niveau, das ich von den Pet Shop Boys gewohnt bin.

The National – Trouble Will Find Me
Entdeckt habe ich The National im Sommer 2012 durch Skins, mir dann im Herbst ihr Album „High Violet“ gegönnt und mich sehr daran erfreut. Auf „Trouble Will Find Me“ gibt’s noch mehr davon. Die Unterschiede sind nicht der Rede wert. Von ruhigen Liedern, über lautere, bis hin zu wirklich energiegeladenen, immer ist da Matt Berningers beruhigend melancholischer Bariton. Wer braucht da schon groß Abwechslung?

Emilíana Torrini – Tookah
Dass sich jemand nach einem großen Hit wie „Jungle Drum“ fünf Jahre Zeit lässt, sieht man auch nicht alle Tage, Nachwuchs hin oder her. Elektronik hat Einzug gehalten in dieser Zeit, am deutlichsten zu hören in der Single „Speed Of Dark„. Ansonsten pendelt das Album stilistisch wie stimmungsmäßig zwischen den beiden Vorgängern „Me And Armini“ und „Fisherman’s Woman“, und wie bei Letzterem dachte ich zunächst, dass das alles ein bisschen langweilig und uninteressant wäre, nur um nach ein paar Wochen festzustellen, dass es mir doch gut gefällt.

Chvrches – The Bones Of What You Believe
Die „exzentrische“ Schreibweise ist Absicht, scheint ein Trend zu sein (siehe Lorde). Chvrches machen puren Synthpop der frühen 80er im Gewand der Neuzeit. Fette E-Drums, glitzernde Sequenzen und darüber Lauren Mayberry’s Melodien, die sich im Gehirn festsetzen und ständig den Weg zurück ins Ohr finden. Neben den unwiderstehlichen Singles „The Mother We Share„, „Recover“ und „Gun“ gibt’s auf dem Album zur Abwechslung auch weniger Ohrwurm-Orientertes wie das großartige „Science/Visions“ und den elegischen Abschluss „You Caught The Light“.

Lorde – Pure Heroine
Dazu hab ich ausnahmsweise schon was geschrieben.

Arcade Fire – Reflektor
Wenn mich jemand fragen würde, wer Arcade Fire sind, würde ich dem- oder derjenigen wohl nicht das neue Album „Reflektor“ vorspielen, sondern „The Suburbs“ und / oder „Neon Bible“. Wobei „Reflektor“ kein schlechtes Album ist, nur etwas lang und unausgegoren. Man nehme beispielsweise das Titelstück: die erste Hälfte ein starkes Lied, die zweite ein langes Outro. In diesem Fall funktioniert das noch, aber an anderen Stellen eben nicht mehr so gut. Allerdings konnte mich „The Suburbs“ vor drei Jahren auch nicht gleich überzeugen, also mal sehen, was da noch geht…

Radical Face – The Family Tree: The Branches
Radical Face ist mir seit einigen Jahren als eine Hälfte von Electric President bekannt, dem Rest der Welt unterbewusst durch ein Lied in einem Werbespot für Digitalkameras. „The Branches“ ist der zweite Teil der „The Family Tree“-Trilogie und voll mit Indie-Akustik-Folk-Pop, mal zurückhaltend düster, mal zum Mitsingen oder -summen.

Roger Taylor – Fun On Earth
Dieser ältere Herr hat sich immerhin 15 Jahre Zeit gelassen für sein fünftes Soloalbum. Stilistisch breit gefächert ist es ein vergleichsweise ruhiges Album. Auf die reduzierten Versionen von „Small“ und „Say It’s Not True“ – beide vom Queen + Paul Rodgers Album „The Cosmos Rocks“ – hätte ich verzichten können. Vor allem Letzteres als Probenmitschnitt mit einem ziellos umhersolierenden Jeff Beck an der Gitarre fällt deutlich aus dem Rahmen, da wäre fast jede andere Version besser gewesen. Dem gegenüber stehen zum Glück reichlich bessere Lieder, wie „Be With You“, „The Unblinking Eye„, „Up“ und das großartige Finale „Smile“.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Das große, bunte Alben-Rezensions-Spektakel 2013

    2013 in Listen « Guide Vocal sagte:
    1. Januar 2014 um 11:41

    […] David Bowie – The Next Day […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s