Elbow live in Berlin, 10.11.2011

Gepostet am Aktualisiert am

Die Voraussetzungen waren nicht gerade ideal. Zwei Wochen lang hatte ich praktisch kaum etwas anderes als „Achtung Baby“ von U2 gehört und war irgendwie überhaupt nicht in der Stimmung für ein Elbow Konzert. Aber erstens mag ich ihre letzten beiden Alben sehr und außerdem hatte ich für meine Karte bezahlt. Also ging es gestern Abend ins restlos ausverkaufte Huxleys.

„We got open arms for broken hearts like yours my boy, come home again“ singt Guy Garvey in „Open Arms“, und so fühlt es sich auch an.

Genug der Gefühlsduselei, kommen wir zu den Fakten! Vorband waren Howling Bells aus Australien. Klangen gut, ihr drittes oder viertes Lied würde glatt als James-Bond-Titellied durchgehen. Frontfrau Juanita Stein durfte auf dem aktuellen Coldplay Album mitsingen, also sicher eine Band von der man noch hören wird.

Eine Stunde später betraten dann die fünf Mannen von Elbow gemeinsam mit einem Streichquartett die Bühne. „The Birds“ eröffnete das Konzert ebenso genial wie das aktuelle Album „Build A Rocket Boys!“ und Frontmann Guy Garvey hatte mit dem außerordentlich gut gelaunten Publikum von der ersten Sekunde an leichtes Spiel. Alle machten seine Späße mit („It’s full moon tonight, everyone say ‚Mantra Luna'“) und hoben ihr Getränk wenn er ihnen von der Bühne aus zuprostete. Angesichts der aktuellen Zuschauerzahlen würde es mich nicht wundern, wenn die nächste Tour in größeren Hallen stattfindet, für Guy Garvey sicher kein Problem.

Bemerkenswert an Elbow finde ich ihre Schlichtheit. Viele ihrer Lieder basieren auf einem rhythmischen Gitarrenriff oder einem sich wiederholenden Keyboardmotiv. Plötzliche Wechsel mitten im Lied gibt es selten, dann aber umso effektiver. Offensichtliche Virtuosität sucht man vergebens, Langeweile aber auch, denn irgendwie bleibt das alles doch immer sehr interessant anzuhören. Das Ganze ist eben doch mehr als die Summe seiner Teile (Ich habe leider kein Phrasenschwein in das ich jetzt Geld stecken könnte). Auch auf der Bühne passierte nicht viel. Guy Garvey lief gemütlich hin und her, animierte zum mitsingen und zeigte immer wieder ins Publikum („Fingers are for pointing at the sky“ mein Lieber!). Die Streicher verließen dann und wann die Bühne, wenn sie nicht gebraucht wurden, für „The River“ sogar die ganze Band bis auf Guy und Keyboarder Craig Potter.

Schön fürs Auge war die zusätzliche Beleuchtung in Form von sechs Säulen hinter der Band. Die Musiker als Silhouetten vor einer goldenen Wand aus Licht während „Lippy Kids“ – ein passenderes Bild für diese Musik gibt es nicht.

und sonst so…

  • „The Loneliness Of A Tower Crane Driver“ ist ein einziges Aushängeschild für Guy Garveys Gesangskünste
  • für „The Night Will Always Win“ nahmen sich alle Bandmitglieder kleines Keyboards und spielten das Lied ausschließlich darauf
  • „Dear Friends“ klang anders als auf dem Album: Schlagzeug und Akustikgitarre waren viel präsenter, dafür hat die U2-artige E-Gitarre gefehlt
  • vor „Weather To Fly“ gab es eine Runde Jägermeister (für die Band) auf ihr 20-jähriges Bestehen, der erste Teil des Liedes wurde von allen ums Keyboard stehend, „unplugged“ gespielt
  • für „Starlings“ kam die Band mit Trompeten bewaffnet auf die Bühne

Setlist:
The Birds
The Bones Of You
Mirrorball
Neat Little Rows
Grounds For Divorce
The Loneliness Of A Tower Crane Driver
The Night Will Always Win
The River
Some Riot
Dear Friends
Lippy Kids
Weather To Fly
Open Arms
——— Zugabe ———
Starlings
Station Approach
One Day Like This

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Ein Kommentar zu „Elbow live in Berlin, 10.11.2011

    Elbow live in Jena, 13.7.2017 « Guide Vocal sagte:
    16. Juli 2017 um 17:42

    […] sechs Jahre sind vergangen, seit Elbow das letzte Mal Konzerte in Deutschland gegeben haben. Dieses Jahr gab’s nur eins, und das glücklicherweise […]

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